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Kinderspiel
Eine Kritik von Ulrich Unkenbold vom Magazin „Der enharmonische Verwechsler“
vom 10.12.2021

Er hat es wieder getan. Der Komponist Mario Stresow hat sich als solcher schon in vielen musikalischen Gefilden getummelt. Von ihm hörten wir bereits Kompositionen aus den Genres Blues, Jazz, Hard Rock, Folk, Klassik und Gitarrenmusik. Letzteres verwundert nicht, ist er doch von Haus aus Gitarrist. In den letzten Jahren hat er sich jedoch mehr und mehr dem Komponieren zugewandt. Auch im Bereich Klassik legte er bereits vor und die hier rezensierte Komposition / Einspielung ist am ehesten diesem Bereich zuzuordnen.
Wenn er sich also in all diesen Stilistiken kompositorisch betätigt, ist es dann so, dass er alles mögliche macht - aber nichts gut? Nun, ich möchte mich hier nicht als Kritikpapst betätigen, der an exponierter Stelle das Urteil darüber fällt. Lassen Sie mich so formulieren: Handwerklich einwandfrei und der Rest ist, wie so oft im Leben, einfach Geschmackssache. Darüber hinaus kann man ihm aber auf jeden Fall eine gewisse „Uniqueness“ nicht absprechen, so auch hier:

Das Stück beginnt mit einer kinderliedartigen Melodie, welche auf dem Glockenspiel solo vorgetragen wird. Gespielt wird dieses Instrument von der erst elfjährigen Frida Freutsich. Sie bekam zarten Alter von sechs Jahren zu Weihnachten ein Glockenspiel geschenkt, welches sie seitdem wie einen Schatz hütet. Und jeden Tag darauf spielt, wie sie mir in freudiger Aufregung bei der Aufnahme sagte. Bei der Wiederholung der Melodie gesellt sich einzig das Fagott dazu, gespielt vom renommierten Bernd Bassoon. Das Fagott erklingt hier zum Glück nicht mit einfallslosem Quintengehupe. Vielmehr dürfen wir eine sehr charmante und gegenüber dem Glockenspiel ebenso begleitende wie eigenständige Melodie hören.

Als Tonart für diesen A-Teil wählte Stresow Ab-Dur. Zwar eine Dur-Tonart und mithin gegenüber der Molltonalität das geeignete Mittel der Wahl für eine Kinderliedmelodie - allerdings ist Ab-Dur auch nicht gerade die hellste Dur-Tonart. Die Wahl dieser Tonart erweist sich im Zusammenhang mit dem nun folgenden Teil jedoch als genial. Übergangslos geht es mit der parallelen Moll Tonart F-Moll weiter. Und diese passt wie die Faust auf’s Auge zu der nun folgenden Melodie. Auf das Spielfeld kommt dafür diese Streichergruppe: Violine (Gizelle Geigtsich-Einen), Viola (Viola Violent), Cello (Celli Celante) und Kontrabass (Conrad Contraire). Bernd Bassoon mit dem Fagott ist zudem weiterhin dabei, wenn man so will als verbindendes Element, respektive Instrument. Sie alle gehören zur Stammbesetzung der “Hypnotized Bodyguards”. Eine skurille Gang von Musikern, welche die Kompositionen von Mario Stresow unter der Leitung vom Boss der Gang, Francesco Slowdown, umsetzen.

Als eine Mischung aus Stringenz und Melancholik zieht die elegante Mollmelodie zügig an unseren Ohren vorbei. Sie erinnert mich an einen Fischschwarm, bestehend aus gar nicht mal so kleinen Fischen, die mit Leichtigkeit und Wendigkeit durch das Meer gleiten. Herrlich, glitzernd und einfach schön. Trotz des unterschiedlichen Charakters der beiden Melodien wirken sie zusammengehörig. Zum Schluss bringen Frida Freutsich und Bernd Bassoon noch einmal die Anfangsmelodie in Erinnerung und mit einem Lächeln ist man geneigt, sich das Stück gleich noch einmal anzuhören.

Dirigent Alphonso Conductore führte das Stück ohne viel Aufhebens moderat und ohne mit den Armen in der Luft herumzufuchteln genau richtig. Und er hat während der Aufnahme ein freundliches Lächeln für die junge Frida Freutsich, welche sich nur auf ihr Glockenspiel konzentriert und ihn gar nicht beachten kann - sympathisch. Ich freue mich im Nachhinein erst recht über die Einladung, der Aufnahme beizuwohnen und habe meine Zeit damit nicht verschwendet. Vielen Dank dafür an dieser Stelle an den musikalischen Leiter Francesco Slowdown.

Stresow selbst war bei der Aufnahme auch anwesend. Aber irgendwie auch abwesend. Wie von allen Bildern bekannt mit einem Käppi auf dem Kopf und gekleidet mit einem Sneaky Blinders Anzug, wie er betonte. Er saß etwas abseits, trank Fortnum & Mason Ceylon Orange Pekoe, ließ keine Kommentare hören und aß während der Recording Session drei (!) Frikadellen. “Auch eine?” eröffnete er unser Gespräch und ergänzte, nachdem ich höflich ablehnte: “Ich könnte sonst auch noch Marzipankartoffeln anbieten”. Ein wenig kann ich den skurrilen Ruf, welcher ihm vorausgeht, bestätigen, denn nun schob er sich eine von den Marzipankartoffeln in den Mund und biss gleich danach beherzt in die nunmehr vierte Frikadelle. “Glühwein gefällig?” war seine nächste Äußerung, Diesmal lehnte ich nicht ab. Auf meine Bemerkung hin, dass er, was die Musik angeht, etwas unbeteiligt wirkt, sagte er: “Das kriegen die schon hin, hörst du doch” Und in der Tat, da konnte ich nun wirklich nicht widersprechen. Und per du waren wir auch von gleich auf jetzt. Ich fand das angenehm, waren wir doch kürzlich bei einer Podiumsdiskussion heftigst aneinander geraten. “Lass uns den alten Streit begraben”, gerade wollte ich das bejahen, da ergänzte er: “und einen neuen anfangen! Wir haben verlernt, verschiedener Meinung zu sein und uns trotzdem zu mögen. Prost!“ Darauf stießen wir an, ein charismatischer Mensch.

Und um den Eingangssatz noch zur Abrundung zu bringen: Komponist Mario Stresow hat es wieder getan: Er überrascht erneut mit einer eigenwilligen und gelungenen musikalischen Idee. Und abseits vom aktuellen Zeitgeist in der Klassik setzt er dabei auf Melodik als tradionelles Kernelement der Musik. Ich gehe in diesem Punkt d´ accord und empfinde das als sehr wohltuend.

Herzlicht, Ihr Ulrich Unkenbold (Chefredakteur “Der enharmonische Verwechsler”)