Sexy Lover

Man kann einen haben oder sich einen halten. Manche zahlen dafür. Und es gibt noch mehr Möglichkeiten: Es muss ja gar nicht unbedingt ein menschliches Wesen sein. Ladies bevorzugen mitunter die batteriebetriebene Variante in Form eines kleinen elektrischen Gerätes. Dieses kann bequem in der Handtasche verstaut werden und insofern auch mal hinterm Schreibtisch oder ganz hinten im Bus zur Anwendung kommen, sofern wenig los ist. Die misstrauischen Blicke des Fahrers in den Rückspiegel erhöhen dabei nur den Reiz. 

Männer hingegen präferieren auf dem Gebiet mitunter eine aufblasbare Version. Sie wird danach liebevoll zusammengefaltet und dann bis zum nächsten Mal sorgfältig an ihrem Platz verstaut, im familiären Verbund kann man auch sagen: Versteckt. 

Da fällt mir die Story ein, welche mein Freund Torsten im letzten Jahr erleben musste: Wie üblich fuhr er mit dem Auto von der Arbeit nach Hause. Als er in seine Straße einbog sah er schon das Geschehen auf dem Grundstück seines Hauses. Es war Sommer und seine zwei Kinder spielten im Pool und zwar - das war es, was ihn augenblicklich schockierte: Mit Nancy. 

Nancy im betriebsbereiten Zustand, sprich prall mit Luft gefüllt. Sie hatten sie also gefunden, scheisse. Er hatte das Versteck für sehr gut gehalten, aber man weiß auch nie, wo die Gören sich überall rumtreiben. Das wusste er schließlich aus seiner eigenen Kindheit und Jugend. Jetzt machten sie sich ihren Spaß damit. Auch einige aus den angrenzenden Grundstücken herüberschauende Nachbarn jauchzten, die direkten Nachbarn filmten mit ihren Smartphones. 

Er fuhr an der Einfahrt vorbei und hielt um die Ecke. Nervös kramte der er im Handschuhfach, da musste noch eine Schachtel Zigaretten sein. Ja, ein Glück, gefunden, auch das Feuerzeug. 

Er hatte Nancy schon länger in Betrieb. Immer noch die erste, obwohl es inzwischen neuere Modelle mit einigen interessanten technischen Innovationen gab. Er hatte sich an Nancy gewöhnt und sich auf sie eingeschossen, ihr auch diesen Namen gegeben. Er hatte sie immer pfleglich behandelt und sauber gehalten. Jetzt war er sich nicht mal sicher, ob sie es unbeschadet überstehen würde, so wie die Kinder sie gerade traktierten. 

Meine Güte, er hatte manchmal währenddessen und sogar auch danach mit ihr gesprochen. Also, genau genommen hatte er ja nur gesprochen. Wie er sich fühlt, und wie er die Dinge sah. Verschiedenste Dinge. War das noch normal? Was heißt schon normal, auch zwischen Eheleuten gibt es schließlich durchaus längere Wortbeiträge, die letztenendes auch nur Monologe sind. 

Er wollte sich gerade die dritte Zigarette anstecken, da zuckte er zusammen, weil es an der Scheibe klopfte. Seine Frau. Sie hatten bereits Blickkontakt, als sie noch einmal gegen die Scheibe klopfte, denn er hatte das Fenster noch nicht geöffnet. Nun lies er es endlich runter und sie sagte: „Moin, der Herr”, wobei sie den austretenden Qualm mit ihren Händen wegwedelte. Er war inzwischen knallrot angelaufen und brachte nur ein: „Ich, ääh ..” raus. Worauf sie ziemlich krabitzig entgegnete: „Und ich erst mal.“ Damit war anscheinend vorerst alles gesagt und somit das Gespräch beendet, denn jetzt marschierte sie schnurstracks wieder Richtung Haus. 

Finden Sie nicht auch, dass Torsten ein ziemlich enger Freund von mir sein muss, wenn ich das alles von ihm weiß? Oder gibt es diesen Torsten gar nicht und ich hab das wie üblich alles erfunden? Oder handelt es sich bei diesem Torsten um meinen Vater und ich war damals eines der spielenden Kinder? Ist es am Ende gar eine autobiografische Geschichte? Kritische Fragen, denen ich mich eines Tages stellen werden muss. Aber nicht jetzt, zurück zum Thema: 

Wieder andere träumen nur davon, so jemanden oder so etwas zu haben. Diejenigen sind auch völlig zufrieden damit, denn in echt wäre es vielleicht doch zu aufwändig. Manchmal auch zu gefährlich, riskant und konsequenzenbehaftet: Viele von uns sind langjährig verbandelt, oft mit den entsprechenden Gegebenheiten in Form von Nachkommenschaft und gemeinsamen Hausbesitz, siehe Torsten. Da muss man nicht unnötig was aufs Spiel setzen. 

Hinzukommt, ob verbandelt oder nicht: Nicht alles, wovon man träumt, ist überhaupt für eine Umsetzung in echt gedacht. Schließlich kann man auch einfach nur die Gedanken schweifen lassen, während die geübten Finger ihr Handwerk von feinfühlig bis rasant verrichten. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an die Schlagerzeile: “Du bist nicht allein, denn du hast ja deine Fantasie ...” 

Ich habe mich der Thematik und zwar, wie ich an dieser Stelle betonen möchte, ausschließlich in Geschichten- und Liedform genähert. Dabei hab ich hart daran gearbeitet, wenigstens den Liedtext auf das nötigste zu komprimieren, aber hören Sie selbst:

https://mariostresow.com/single/21780/sexy-lover

 

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